Anzeige

Zwischen Eierschaukeln und Frauenhauen: Ostern in Europa (Kolumne FN April 2026)

Kolumne "Das letzte Wort"
Arnd Rühlmann

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche, überall knospt, sprießt und blüht es, und auf den Freischankflächen der Cafés und Wirtshäuser rangeln sich die Gäste um die heiß begehrten Sonnenplätze.
Kurz: Es frühlingt allenthalben, und wir freuen uns auf Ostern und die vielen hübschen Traditionen im Rahmen dieses Kirchenfestes: die herrlich geschmückten Osterbrunnen, das Osterlachen in der Kirche, den Besuch des Bamberger Kreuzwegs (der älteste vollständig erhaltene in Deutschland) oder die wunderschöne Passionskrippenausstellung in der Maternkapelle.
Aber auch unsere europäischen Nachbarn pflegen in diesen Tagen besonders zauberhafte Bräuche, auf die wir hier einen kleinen Blick werfen wollen.

Im französischen Bessières wird z.B. am Ostersonntag in einer gigantischen Pfanne ein Omelette aus über 5.000 Eiern zubereitet und anschließend als Symbol der Freundschaft und des kulturellen Austausches von Einheimischen und Touristen gemeinsam vertilgt. Diese Tradition stammt aus der napoleonischen Zeit, denn bekanntermaßen haben die Franzosen unter Napoleon sich ja besonders ausgiebig mit anderen Nationen kulturell ausgetauscht.

Im Schweden verkleiden sich Kinder am Gründonnerstag als Hexen und gehen von Tür zu Tür, um Süßigkeiten zu sammeln. Das hat zwar mit der christlichen Ostergeschichte nicht allzuviel zu tun, aber wenn man ehrlich ist, kommen Spinat und Spiegelei ja auch nicht in der Bibel vor.
In Lettland ist es usus, sich zur Auferstehung des Herrn in Gruppen auf großen Holzschaukeln zu tummeln, was im kommenden Sommer vor Mückenstichen schützen soll. In Polen hingegen zelebriert man beim Osterspaziergang eine Art von Massentaufe, bei der man sich gegenseitig mit Spritzpistolen und Wassereimern durchnässt.

Noch bizarrer wird es in Tschechien: Dort ziehen die Männer am Ostermontag mit bunt dekorierten Ruten aus Weidenzweigen los, um damit Frauen (zart) auf die Beine zu schlagen. Als Belohnung bekommen die Herren dafür Schokolade und Schnaps. Ich finde ja, das klingt etwas unfeministisch, aber angeblich bringen die Peitschenhiebe den Damen Jugend und Gesundheit, und billiger als ein Facelifting ist das allemal.

Mir persönlich gefällt ein irischer Osterritus am besten: In Irland werden nämlich am Osterwochenende in einer großen Prozession eingelegte Heringe unter Lärmen und wüsten Beschimpfungen der Bevölkerung zu Grabe getragen und zeremoniell bestattet. So feiert man dort das Ende der Fastenzeit und freut sich, dass wieder Fleisch gegessen werden darf.

Das wäre doch ein Brauch, der sich hervorragend hier bei uns adaptieren ließe. Prozessionen können wir schließlich, und es wäre sicherlich eine besonders feierliche und anrührende Szene, wenn grummelnde Bamberger*innen zum Abschluss der langen, entbehrungsreichen Fastenzeit einen Kasten alkoholfreies Bier beerdigen.

Arnd Rühlmann

Zurück zum Seitenanfang