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Die Wurstwandelwurzelwahl: Wer wird Andi 2.0? (Kolumne FN März 2026)

Kolumne "Das letzte Wort"
Arnd Rühlmann

Auf dem Weg zum Bahnhof schlurfe ich durch die Stadt, und fühle mich aus sämtlichen Richtungen angestarrt von merkwürdigen Gestalten, die alle nur das Eine wollen: gewählt werden. Während meine Blicke über den Schilderwald der Stadtratsaspirant:innen gleiten, trifft mich wie ein Hammerschlag die Erkenntnis der historischen Bedeutung der anstehenden Wahl. Es ist tatsächlich vorbei. Auch wenn es noch so unvorstellbar klingt: Nach 200 Jahren (oder so) geht die Ära Starke in Bamberg zu Ende. Ich hätte nie gedacht, dass ich das miterleben würde.

Nun buhlen 8 Kandidat:innen um das Amt als neuer Andi, und selbst die SZ nennt das „die vielleicht spannendste OB-Wahl Bayerns“.

Leider fehlt mir hier der Platz um sämtliche Thronanwärter:innen zu verhohnepipeln, aber es scheint ohnehin auf ein Kopf-an-Kopf-Rennen von 3 Regierungswilligen hinauszulaufen.
„Ihr Oberbürgermeister mit Bamberger Wurzeln“ würde Sebastian Niedermayer gerne werden, was zugegeben ein hübsches Wortspiel ist für einen Gärtner, der auch ein echter, gebürtiger Bamberger ist. Ich als Neigschlaafder frage mich zwar leise, ob der Eingeborenenstatus als Wahlargument ausreicht, aber was weiß ich schon, ich bin ja net vo doo.

Jonas Glüsenkamp, seinerzeit noch knapp in der Stichwahl gescheitert, sieht selbst nach 5 Jahren Regierungsverantwortung noch aus wie 15, was ganz gut zu seinem (ansonsten politisch professionell nichtssagenden) Werbespruch „Beständig im Wandel“ passt.

Ex-Ministerin Melanie Huml möchte halt wenigstens noch irgendein Amt und bewirbt sich „mit Erfahrung, Kompetenz und Herz“, wobei sie das Herz nicht ausschreibt, sondern als Emoji hintendransetzt, vermutlich um so auch die Generation TikTok zu gewinnen. Als Beteiligte an Jens Spahns Maskenaffäre konnte sie ja zumindest schon ein bisschen Erfahrung mit der Veruntreuung von Steuergeldern machen, möglicherweise eine echte Qualifikation für die Starke-Nachfolge.
CSU-Patholog:in G. Seitz bewirbt sich übrigens nicht um das Amt als Oberbürgermeister:in und wird hier auch nur erwähnt, weil ich so gerne gendere.

Lobend erwähnen muss ich Metzgermeister Michael Kalb. Der präsentiert den mit Abstand niedlichsten Slogan: „Ich bitte Sie um drei Stimmen, weil mir Bamberg und Wurst nicht wurst sind.“ Das liest sich so rührend wie aus einem Kinderbuch und erwärmt vermutlich selbst Vegetarierherzen.
Am Bahnhof angekommen rauscht mir das Hirn vor lauter voksvertretenden Gruselgesichtern und sowohl inhaltlich als auch grammatikalisch fragwürdigen Wahlwerbesprüchen. Ich tröste mich mit der Vorfreude auf den 09. März, wenn all diese Propagandaplakate ganz offiziell nur noch Müll sind.

Doch dann lese ich am Gleis ein Werbebanner der DB:
„Schön, dass Sie da sind.
Ihr Zug ist schon auf dem Weg.“
Mit diesem Ausmaß von Zynismus können nicht mal die Politik-Parolen mithalten.

Arnd Rühlmann

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