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Bloß Filtertüten und altes Geraffel: Unterschätzte Monate: Juni (Kolumne FN Juni 2026)

Kolumne "Das letzte Wort"
Arnd Rühlmann

Für gewöhnlich habe ich immer viel Spaß bei meiner Suche nach merkwürdigen Feier- und Gedenktagen. Aber dieses Mal tat ich mich schwer, interessante oder belustigende Daten zu finden, und so fragte ich mich unwillkürlich: Ist der Juni vielleicht gar nicht unterschätzt? Ist dieser Monat, der nach der vom Gatten regelmäßig betrogenen und deshalb chronisch übellaunigen römischen Göttin Juno („Hera“ bei den alten Griechen) benannt wurde, vielleicht eher überschätzt? Zwar bezirzt er uns mit tropischen Temperaturen und einer Tag-und-Nacht-Gleiche, aber inhaltlich bleibt er doch schal und oberflächlich, wie eben so manche Sommerliebelei.

Am 01.06. geht es ja noch ganz bodenständig und nachvollziehbar los mit dem internationalen Kindertag und dem Welt-Milch-Tag. Aber schon am 02.06. wird’s kurios mit dem Ich-liebe-meinen-Zahnarzt-Tag. (Schickt man da Blumen? Löwenzahn vielleicht? Oder zahnfleischblutrote Rosen?) Auch den weltweiten Tag des Axtwerfens am 13.06., den Weltbummeltag am 19.06. und den internationalen Matsch-Tag am 29.06. haben Floristikunternehmen und Grußkartenidustrie bisher sträflich vernachlässigt.

Überhaupt hat man den Eindruck, im Juni bekommt alles alte Gerümpel, das in der Garage oder auf dem Dachboden verstaubt, einen eignen Tag. Sei es nun der Tag des Videorekorders (07.), der Nähmaschine (13.), des Tagebuchs (12.), des VW-Käfers (22.) oder des Waffeleisens (29.06.).
Kulinarisch hat dieser Monat auch nicht viel zu bieten, mal abgesehen vom internationalen Falafel-Tag am 12. und dem Sushi-Tag am 18. Juni. Vor Neid erblassend werfen wir einen Blick in die USA, wo im Juni kaum eine Köstlichkeit ohne eigenen Feiertag bleibt, seien es nun Grillhähnchen (02.), Erdbeer-Rhabarberkuchen (09.), Zwiebelringe (22.) oder Mandel-Buttercrunch (29.). Die nimmersatten Amis haben sogar zwei verschiedene Donut-Feiertage, einen für die ohne (05.) und einen für die mit Füllung (08.06.)! Und wir?

Machen wir uns nichts vor, unser Tag der Geodäsie in Deutschland am 07., der Tag der Filtertüte zu Ehren von Melitta Bentz am 20. oder der Tag der alternativen Kreiszahl Tau am 28. Juni wirken dagegen doch wenig sexy.

Der 21.06., Tag der Sommersonnenwende, hätte ganz lustig werden können, fallen doch die Gedenktage für Dackel, Giraffe, Skateboard, Mofa und Yoga auf dieses Datum, genau wie der deutsche Tag der Musik. Leider ist ausgerechnet an diesem Termin aber auch der bundesweite Tag des Schlafes, deshalb werde ich von alledem wohl nichts mitbekommen. Danach werden dann die Tage eh wieder kürzer.

Am deutschen Bärengedenktag am 26. Juni können ältere Bamberger*innen alle anderen mal wieder mit glücklichen Kindheitserinnerungen an den auf der Altenburg 1982 unter erbärmlichen Umständen verreckten Burgbär Poldi verstören. Ansonsten ist dieser Monat doch irgendwie für die Katz’.

Arnd Rühlmann

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