Kolumne "Das letzte Wort"
In meiner Jugend war ich ein echter Serien-Junkie. Deswegen hatte ich schon damals ein eher ambivalentes Verhältnis zum Sommer. Zwar war das Wetter seinerzeit erträglicher, und schulfrei gab es auch, aber dafür gingen meine geliebten Seifenopern in die verhasste Sommerpause.
Mitte Juni stand zum spannenden Staffelfinale plötzlich Bobby Ewing unter Dusche oder der gesamte Denver-Clan wurde in Moldawien von Terroristen niedergeschossen – und dann war man dazu verdammt, mit zum Zerreißen gespannten Nerven monatelang zu warten, dass es im September endlich weiterging.
Dank Internet, Mediatheken und Streaming-Diensten kennt heute niemand mehr diese Sommerpausen-Krise. Und so hatte auch ich dies Gefühl fast vergessen, von fiesen Fernseh-Fuzzis zappeln gelassen zu werden und mir selbst auszumalen, wie es den liebgewonnenen Serien-Figuren denn wohl weiter ergehen würde.
Doch der Bamberger Stadtrat hat es geschafft, seit der Umbesetzung im März die Spannungsschraube mit Intrigen, Trennungen und zwielichtigen Machenschaften derartig hochzudrehen, dass ich wie damals die Fortsetzung gar nicht erwarten kann. So viele spannende Cliffhanger warten auf ihre Auflösung!
Ist unser OB heimlich mit seinem Chauffeur verwandt? Ein ungeheuerlicher Vorwurf, der nicht nur Vetternwirtschaft unterstellt (ein in unserem Verwaltungsapparat unvorstellbares Verbrechen), sondern auch unterschwellig andeutet, die vielbeschworenen „Bamberger Wurzeln“ des Sebastian N. hätten möglicherweise einen italienisch-brasilianischen Seitenzweig getrieben. Welche Skandale mögen hier noch lauern?
Falsches Spiel mit Nobby Tscherner? Zwei seiner Block-Bürger zeigten ihren Vorsitzenden wegen der zweckwidrigen Verwendung von rund 20.000€ an. Auch das eine in Bamberg unerhört einzigartige Anklage! Muss der Stadtratsdino jetzt auf seine alten Tage noch in die SPD wechseln, wo man den kreativen Umgang mit öffentlichen Geldern mehr zu schätzen weiß?
Auch in der CSU wütet ein Sturm der Liebe, dort versucht der Kreisvorstand gerade im 2. Anlauf, die ungeliebten CSB-„Spalter“ loszuwerden. Zum FT meinte CSB-Fraktionschef Neller, er müsse über die Frage, ob er in der Partei verlbeiben wolle, „jetzt erst einmal schlafen“. Ein scharfzüngiger Seitzenhieb?
CSU-Kreisvorsitzende*r Prof. Dr. Seitz wehrt sich nämlich mit allen Mitteln der Jusitz gegen den Vorwurf, in der letzten Sitzung des Klimarats ein Nickerchen gemacht zu haben und ließ durch seine Anwältin mitteilen, er habe lediglich zu Konzentrationszwecken seine Augen geschlossen. Andere behaupten, er hätte unter dem Tisch mit dem Smartphone hantiert. („Clash Of Clans“?) Eine Diskussion so dramatisch wie Montag, 1. Stunde in vermutlich jeder Klasse einer x-beliebigen Mittelschule.
Gut, dass der Sommer endlich vorbei ist. Was haben unsere kommunalen Drama-Queens wohl als Nächstes zu bieten?
Arnd Rühlmann