Bamberg News
Kurt Tucholsky war kein Bamberger. Aber seine rhetorische Frage „Was darf Satire?“ und seine knappe Antwort „Alles!“ bewegt seit der 11. Fastenpredigt die Bamberger Stadtgesellschaft. Krimi-Autor und TBC-Mitbegründer Helmut Vorndran als „Bruder Tamponius“ vom Orden der „Menstruazienser“ strapazierte in seiner Predigt die Aussage Tucholskys ein ums andere Mal – mit heftigen Attacken gegen Lokalpolitiker, aber auch auch im Grenzbereich von Sexismus, Altersdiskriminierung, Bodyshaming und Homophobie, wie in der Pause kontrovers bis empört diskutiert wurde. Einigkeit herrschte nur, als der Pokalsieg der Bamberg Baskets bekannt gegeben wurde.
Vorndran gab nach seiner Fastenpredigt auf Facebook preis, wie er seine Philippika verstanden haben will: „Ich hoffe, dass alle Verpredigte einigermaßen gleichmäßig beleidigt sind!“ Dieses Ziel hat er ohne jeden Zweifel erreicht. Kabarettistisch genial eingebettet in die Zeit der großen Hexenverfolgung von 1600 bis 1629 war sein Bekenntnis zum „Verbrennerverbot“. Ursprünglich habe sein von Christine von Strullendorf gegründeter Orden nur aus Frauen bestanden. Durch die Hexenverbrennerei sei es in deren Reihen zu einem Personalschwund gekommen. Dem wurde durch die Aufnahme von Männern und eben besagten „Verbrennerverbot“ gegengesteuert.
Der Aufhebung des Verbrennerverbots stünden alle Bamberger Parteien letztlich wohlwollend gegenüber. Die SPD, wenn die Verbrennung gewerkschaftlich organisiert sei, die CSU ohnehin, selbst die Grünen würden Verbrennungen zwar „blöd finden“, aber nur „wegen des exorbitanten Co2-Ausstoßes“. Die BuB, „nichts anderes als Stadtmarketing mit anderen Mittel“, würde die Verbrennungen als „Bamberger Folklore“ unter dem Titel „Bamberg schaudert“ vermarkten. Überhaupt sei diese ein „Karriere-Recycling“, „eine Art politische Bio-Tonne, die Reste-Rampe, das Dschungelcamp der Bamberger Politik“, BuBberte Vorndran in den mit Bockbier gefüllten Saal. Punkte und so etwas wie Gemeinsamkeit sammelte Vorndran beim gespaltenen Publikum mit Bier- und Heimatsprüchen. „Wir Franken sind die besseren Bayern“ und „Unsere Welt wäre eine friedlichere, hätte es mehr fränkisches Bier gegeben“.
Ordentlich klatschte Tamponius Pathologe Gerhard Seitz als „dunklen Herrscher der CSU“ ab. Die BBB bezeichnete er als „Ein-Mann-Partei“ von Norbert Tscherner. Der sei „der Joe Biden der Bamberger Politik“ und sein Name habe sich schon auf der Einladungsliste zur Hochzeit von Heinrich und Kundigunde gefunden.
Vorndrans Vergleich von Wolfgang Metzner, Dritter Bürgermeister, mit der Allianz-Arena stieß bei vielen übel auf. „Diese sich durch enge Maschen pressende Außenhülle ist nichts anderes als Metzner in Netzstrumpfhosen“, höhnte der Fastenprediger, der sein Kampfgewicht auch schon deutlich überschritten hat. Auch beim auf erfolglose (FDP-)Politiker gemünzten Spruch „Du Melanie, ich bin schlecht im Bett, aber das muss ich dir unbedingt mal zeigen!“ blieb manchem das Lachen im Halse stecken.
Mehr Kalauer als bitterböse politische Spitzen waren die Attacken auf das politische Dreigestirn. Jonas Glusenkamp sei „nett, nett, so nett“. Und wenn Söder mal nach Bamberg käme, dann stelle sich die Frage: „Was machst du da? Der Söder ist nicht nett. Die Melanie weiß es!“ Sebastian Niedermaier warf er den „fehlenden SPD-Fußabdruck“ vor: „Bis du schon mal verurteilt worden?“ Den Kampf ums Oberbürgermeisteramt kommentierte er wenig charmant: „Zwei junge, dynamische Kräfte gegen eine gereifte – also ein Käs´ braucht ja a a weng länger – alte Schachtel, politisch betrachtet, das nennt man Erfahrung!“
Und, ja, auch die Themen, wo man schnell Punkte macht oder massiven Widerspruch erfährt, durften nicht fehlen. Die Hassfurther Autofahrer seien „die Bedrohung aus dem Osten“, „Einem katholischen Priester mit Kindern arbeiten zu lassen, ist ungefähr so, wie einen Alkoholiker in einen Schnapsladen zu stellen“, „Gereuth ist der Gaza-Streifen Bambergs“ und mit Blick auf das AfD-Klientel: „Laut einer Studie ist jeder fünfte AfD-Wähler so dämlich wie die anderen vier!“
Die Fastenpredigt brauchte an diesem Abend ganz viel Tucholsky und nicht nur Bockbier zur Verdauung. Wiederholungstäter wird Vorndran nicht. Mehr wird es nicht geben. Es sei seine letzte und einzige Fastenpredigt hatte der Kabarettist vorab schon im Interview mit der „Fränkische Nacht“ bekannt.
Thomas Pregl