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Hilfe, meine Frau hat einen Hausfreund! Glosse von Thomas Pregl

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Hilfe, meine Frau hat einen Hausfreund! Das Ausrufzeichen ist eigentlich hier fehl am Platze. Denn den Hausfreund hat sie schon seit längerem. Doch der ist mir nie groß aufgefallen. Ich war ja auf der Arbeit, beim Basketball oder im Schlenkerla. Da hat mich ihr Hausfreund nicht gestört. Ich war völlig tolerant und tiefenentspannt. „Des baaschd scho“, habe ich gesagt, wenn meine Freunde, also der Olli, der Dirk oder der Holger, mich auf das vermeintlich schmutzige Thema ansprachen.

Okay. In der „Fränkische Nacht“ bieten sich Männer wie Kris oder Kevin für Mädelabende oder Kaffeekränzchen als Nacktputzer an. Aus dem Putzfimmel wird durch den Austausch der Buchstaben “f“ und „p“ etwas leicht Anrüchiges. Aber seien wir doch mal ehrlich: Nackte, schweißüberströmte Männerpopos beim Wedeln oder Saugen zu beobachten, ist so wenig prickelnd wie abgestandener Schabeso oder eine Bamberger Stadtratssitzung ohne Boni-Prüfbericht. In einer der wenigen ehrlichen Phase unserer Ehe hat mir meine Frau ihr Ehrenwort gegeben, sie würde nie einen Kris oder Kevin buchen.

Seit Corona, Lockdown und Homeoffice fiel es mir wie Schuppen auf die Schulter: Das Versprechen fiel ihr leicht. Sie brauchte keinen Kris oder Kevin, sie hatte ja…Johnny! Besonders attraktiv ist ihr Hausfreund nicht. Okay, das bin ich auch nicht. Aber das tut hier nichts zur Sache. Johnny ist ein großer, flacher Zylinder. 30 Zentimeter im Durchmesser. Überall nur blankes, nacktes Schwarz. Untenherum hat er zwei haarige Bürsten und zwei Rollen. Wie gesagt: Attraktiv ist er nicht, aber er rackert bis zur völligen Erschöpfung. So etwas mögen Frauen. Ich lasse mir gern mal eine Flasche Bier als Belohnung bringen, wenn ich einen Schnipsel vom Boden aufgehoben habe. Johnny nicht. Er kehrt nach getaner Arbeit brav an die Ladestation zurück und holt sich den Saft für die weitere Maloche selber. Allein dass meine bessere Hälfte ihm einen Namen gegeben hat, zeigt ihre Wertschätzung für ihren Hausfreund Johnny, diesen verdammten Staubsaugroboter. Wie Kris und Kevin empfindet er und Seinesgleichen (in Deutschland soll es rund 25 Millionen autonome Haushaltsmaschinen geben) wohl masochistische Genugtuung, sich Frauen unterzuordnen und für sie zu arbeiten.

Eigentlich sollte ich ja froh sein, dass der Robo-Lover meiner Frau die Drecksarbeit macht. So muss ich sie ja nicht machen. Aber meine Frau vergleicht mich seit dem Lockdown mit vorwurfsvollen Blicken mit Johnny. Und da schneide ich schlecht ab. Johnny scheint das zu ahnen.

Gestern Nacht wurde er dann auch noch persönlich. Meine Frau war schon im Bett, ich sah auf Netflix „Swedish Dicks“. Plötzlich löste sich Johnny von der Ladestation, sein rotes Auge funkelte mich böse an. Nach einer Biellmann-Pirouette machte er ein paar teuflische Zickzackbewegungen gegen die Weihnachtskrippe und hinterließ deutliche Kollateralschäden bei Esel und Kuh. Aggressiv brummend steuerte er dann auf mich zu und ramponierte meinen dicken Zeh. Als ich ihn fassen wollte, entglitt er mir unter die Couch, um völlig unerwartet am anderen Ende wieder herauszukommen, um meine auf dem Boden abgestellte Keesmann-Flasche umzustoßen. Während ich geschockt sah, wie der edle Gerstensaft sich auf dem Ikea-Perser verteilte, entzog sich Johnny meinem Zugriff durch gekonnte Ausweichmanöver.

Meine Frau kann Johnny mit Hilfe eines Schalters züchtigen. Aber wo war der? Meine Ehegattin durfte ich nicht wecken. Wie hätte das ausgesehen, wenn ich sie aus ihren süßen Träumen wegen Johnny gerissen hätte? Nein, einen solchen Triumph wollte ich ihrem Hausfreund nicht gönnen! Zum Glück wurde Johnny übermütig. Nachdem er die Tischdecke vom TV-Tisch gerissen hatte, verschluckte er sich an meinem Handy-Ladekabel. Röchelnd würgte er vor sich hin. Das rote Auge flackerte. Ich half ihm nicht. Das mit dem Hausfreund hatte sich erledigt. Unterlassene Hilfeleistung? Ja! Aber ich fühle mich nicht schuldig. Statt auf einem Robo-Lover sollte frau vielleicht doch lieber auf Kris oder Kevin zurückgreifen. Die wirbeln keinen unnötigen Staub in einer Ehe auf, nein, sie machen ihn weg.

Thomas Pregl

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