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„Da habt ihr die Bescherung!“: „Fettnäpfchenführer Weihnachten“ von Nadine Luck

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Nadine Luck mit ihrem "Fettnäpfchenführer Weihnachten"

Sie lässt in ihren Büchern kein Fettnäpfchen aus. Immer wenn es peinlich oder lustig wird, ist Nadine Luck zur Stelle. Die Bamberger Journalistin und Bloggerin hat – nun rechtzeitig zur passenden Jahreszeit – ihren „Fettnäpfchenführer Weihnachten“ vorgelegt. In 24 Episoden beamt sie den armen Gurian aus dem Jahr 2226 in die hektisch-besinnliche Weihnachtszeit dieser Tage. „Da habt ihr die Bescherung“, meint sie süffisant im FN-Interview. Und in der Tat: Ihr wunderbar lustiges und hintergründiges Buch eignet sich bestens als Präsent nicht nur unter dem nadelnden Weihnachtsbaum.  

FN: Erst Ihr „Fettnäpfchenführer Bayern“, jetzt ein „Fettnäpfchenführer Weihnachten“ – kann man sich überhaupt noch bewegen, ohne in ein solches hineinzutreten?
Nadine Luck: Die Fettnäpfchen lauern überall – in Franken, Bayern und daheim, beim Fest der Blamagen, natürlich auch. Mit gutem Humor ist es nicht weiter schlimm, hineinzutappen – aber mit einem Fettnäpfchenführer vor der Nase weiß der Leser dann auch, warum es nicht so cool ist, wenn ein Nikolaus im Weihnachtsmannkostüm herumläuft oder wenn man schon im Hochsommer Lebkuchen futtert.

FN: Butter aus Irland, Magarine mit Vitaminen, „pflanzlich und gesund“ und „frei von Cholesterin“ – das kennen wir aus den Supermarkt-Regalen. Stellt sich die F-Frage: Was sind denn eigentlich Fettnäpfchen?
Nadine Luck: In ein Fettnäpfchen zu treten – das bedeutet, dass jemand etwas peinlicherweise falsch und sich damit selbst zum Affen macht. Die Redewendung geht vermutlich auf die frühere Sitte zurück, auf dem Boden in der Nähe des Herdes einen Napf mit Stiefelfett hinzustellen. Wer versehentlich reintrat, verteilte das Fett in der ganzen Stube…

FN: In Ihrem ersten Fettnäpfchenführer stolpert der Jochen aus Wuppertal durch den Freistaat Bayern und dessen sprachliche und rituelle Fallen. In Ihrem Weihnachtsbuch ist es ein Gurian Hollerbach, den es aus dem Jahr 2226 in die heutige Weihnachtszeit verschlägt. Ist diese Erzählform Ihr Erfolgsrezept?
Nadine Luck: Es ist das Erfolgsrezept der gesamten Fettnäpfchenführer-Reihe des Conbook-Verlags. Dadurch, dass wir Autoren die jeweiligen Helden der Reiseführer-Reihe in verschiedenen Situationen in Fettnäpfchen treten lassen, über die der Leser in den Infoteilen der Bücher aufgeklärt wird, werden die Bücher zu kurzweiligen Knigges über verschiedene Kulturen. Die Fettnäpfchenbücher sind eine Mischung aus Mini-Roman und Kultur-Schau. Meine Kollegen haben Fettnäpfchenführer über Länder wie Vietnam und Südafrika geschrieben, während ich mich besser daheim auskenne.

FN: Warum sollte es keinen Lebkuchen vor dem 1. Advent geben?
Nadine Luck: Lebkuchen und anderes Weihnachtsgebäck stehen ja schon im Hochsommer in den Regalen der Supermärkte und rufen da „Kauf mich!“ Ich fände es falsch, dann schon zuzugreifen: In einer Zeit, in der alles immer verfügbar ist, in der es Heiligabend Spargel und zum Nachtisch Erdbeeren mit Sahne geben kann, finde ich es schön, wenn wir eine Nische für das Besondere bewahren und Weihnachtsgebäck wirklich erst in der Vorweihnachtszeit genießen. Würden wir es das ganze Jahr hindurch futtern, würde es uns in der magischen Adventszeit gar nicht mehr schmecken. Wer sich dagegen bis dahin zurückhält, genießt den ersten Lebkuchen und das erste Vanillekipferl doch viel mehr!

FN: Und wie dekoriere ich meinen Weihnachtsbaum richtig? Mit Kugeln oder Gurken?
Nadine Luck: Wir dekorieren unseren Baum mit Kugeln, ganz klassisch. Und natürlich darf jeder aufhängen, was ihm gefällt, und es gibt inzwischen nix mehr, was es nicht am Baum gibt: Es gibt den Christbaumschmuck umhäkelt, mit dem Schriftzug der Lieblingsband drauf oder gurkenförmig. Letzteres ist ein Brauch, der aus den USA stammt: Dort ist es üblich, solches Gemüse in den Baum zu hängen, und auch in Deutschland darf es in vielen Familien nicht mehr fehlen. Rund um die Gurke gibt es ein Spiel: Der, der den Baum schmückt, versteckt dabei eine dieser sogenannten „Christmas Pickles“ zwischen den Zweigen. Am Weihnachtsabend durchforsten die anderen Familienmitglieder den Baum nach dem Anhänger. Dadurch, dass die Gurke tarnfarben grün aussieht, suchen sich manche einen Ast… Wer sie zuerst entdeckt, bekommt ein zusätzliches Geschenk.

FN: Weihnachtszeit ist auch immer die Zeit des Fressens und Saufens. Sie schreiben, dass das nicht immer so war…
Nadine Luck: Bis 1917 waren die Wochen vor dem Fest eine Fastenzeit, die genau wie die Fastenzeit vor Ostern 40 Tage dauerte. Die Fastenzeit hatte nach dem Martinstag, dem 11. November, begonnen, und sollte der Buße und Einkehr dienen. Am Abend vor Beginn dieser entbehrungsreichen Wochen wurde am Martinstag noch einmal ordentlich zugeschlagen – eine Gans kam auf den Tisch. Heiligabend endete die Fastenzeit. Um das zu feiern, kam wieder eine Gans auf den Tisch. Seit das katholische Kirchenrecht das Adventsfasten nicht mehr einfordert, gibt es zwar im Advent keine Entbehrungen mehr – die Gans aber wird dennoch weiter verspachtelt.

FN: Was ist für Sie das größte Fettnäpfchen, in das man in der Weihnachtszeit treten kann?
Nadine Luck: Die blödesten Fettnäpfchen sind die, die anderen das Fest vermiesen. Wenn man einem Familienmitglied nichts schenkt, weil man selbst keinen Wert auf Geschenke legt – das ist unschön unterm Baum. Und wenn man sich wegen seines Schlankheitswahns nicht am Festessen beteiligt, verdirbt das auch den anderen den Appetit. Peinlich ist natürlich auch, wenn man gar nicht recht weiß, warum man Weihnachten feiert…

FN: Und welches Fettnäpfchen kann man als erstes verzeihen?
Nadine Luck: Verzeihen kann man alles, gerade zum Fest der Liebe.

FN: In welches weihnachtliche Fettnäpfchen sind Sie schon getreten?
Nadine Luck: Das Christkind hat die Geschenke für meine Kinder mit demselben Geschenkpapier eingepackt, das ich wenige Tage zuvor gemeinsam mit ihnen gekauft hatte. Da kam schon die Frage auf, woher das Christkind das hat. Wäre doof gewesen, wenn das Outing des Geschenkebringers aufgrund so einer Unachtsamkeit passiert wäre…

FN: „Da habt ihr die Bescherung!“ lautet der Untertitels Ihres Buches. Was beschert denn das Christkind Ihrem Mann?
Nadine Luck: Das ist natürlich ein Geheimnis! Aber es wird sich alle Mühe geben, ihn bei seinen Hobbys und Interessen zu unterstützen. Was ich allerdings schon verraten kann: Da er gerne als Krimiautor und Zauberer unterwegs ist und sich da gerne inspirieren lässt, gibt es wohl auch Karten für den Auftritt der Ehrlich Brothers in Bamberg, die ähnlich magisch agieren wie das Christkind.

FN: Was wünschen Sie sich für Bamberg zu Weihnachten?
Nadine Luck: Oh, gute Stimmung auf den Märkten und in der Kirche, friedvolles respektvolles Miteinander, auch im aktuellen Wahlkampf. Ich hoffe natürlich, dass nach den Wahlen im März nur Vertreter demokratiefreundlicher Parteien ins Rathaus ziehen. Ich persönlich wünsche mir noch, dass die Erba-Insel zum verkehrsberuhigten Bereich wird.

Thomas Pregl

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