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Mäc’s Monat: Die Kolumne von Mäc Härder in der aktuellen FN-Januar-Ausgabe

Bamberg News
Mäc Härder als König von Franken

Kolumne:

Wir sind Schwarmstadt

Die neueste Entwicklung in Bamberg: Wir gelten als Schwarmstadt, wo die Zugvögel und Wanderraten hinziehen wollen.
Junge Menschen kommen hierher, weshalb wir in den nächsten Jahren wachsen werden. Die Touristen schwärmen, wenn sie auf unser Weltkulturerbe zu sprechen anheben, die Studenten bilden einen Schwarm, wahrscheinlich eine Cloud.
Ich hatte allerdings in den letzten Monaten eher den Verdacht, wir werden zu einer ganzjährigen Trinkstation: von der Sandkerwa über die Bockbieranstiche bis zur Glühweinmeile – es wird durchgesoffen.
Da passen auch die Meldungen der hiesigen Ordnungshüter „Betrunkener zwickt Bamberger Polizistin ins Gesäß“ in die Abteilung „sexuelle Belästigung“ und für das Kriterium „Beleidigung“: „Ein 23-Jähriger hat sich gegenüber der Polizei in Bamberg wenig respektvoll gezeigt. Er streckte seinen nackten Hintern in Richtung eines Streifenwagens.“
Ja, im Vollsuff ändert sich ein jeder. Der Rausch wird als Einkehr des hiesigen Menschen in sich selbst betrachtet, sozusagen eine rituelle Form alkoholischer Meditation. Aber glotzt der Bamberger nicht eher, als dass er meditiert?  Ob Kellerbesuch oder Stärkantrinken – Anlässe dafür finden sich ganzjährig – wer will und kann sich dem verweigern?
Dabei bedeutet „Nein“ nicht die Negierung einer Sache, eines Zustandes, einer Tat, sondern eine exakte Ortsangabe:
„Mir gehen heut nein Mahr.“
Wir sind aber nicht nur eine Stadt der Brauereien und der Bäckereien, auch da haben wir noch zwölf, wahrscheinlich sind wir auch eine dekadente Stadt. Unsere Dichter und Philosophen müssen sich ihren Lebensunterhalt mit Taxifahren verdienen. Aber man kann es auch anders sehen: Eigentlich sind wir auch eine reiche, geniale Stadt. Selbst unsere Taxifahrer sind Dichter, Philosophen und Kunsthistoriker.
Nun wünsche ich  allen Lesern und Leserinnen ein gutes Neues Jahr. Oder wie die alten Bamberger immer noch sagen: ein glückseliges Neues Jahr.
Ist das nicht schön? Was geht über Glück und Seligkeit?
Aber was ist von einem Land zu halten, dass sich seine Selbstvergewisserung jeden Sonntag durch eine mörderische Krimiserie holt?
Der „Dadord“ meines Lebens wird auch im kommenden Jahr Bamberg bleiben und ich hoffe, gänzlich unblutig.
Meine gute Tat des Jahres war das Wiederfinden eines Fahrrades, das einem Freund aus der Garage gestohlen wurde. Außerdem habe ich zwei Wochen getestet, vegan zu leben. Das kann ich nicht empfehlen. Es entstand mehr Müll und Bier vertrug ich wesentlich schlechter.
Dennoch gilt für 2017: Kein Alkohol ist auch keine Lösung.        Text: Mäc Härder

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