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Arnd Rühlmann und Michael Bauer coverten Funny van Dannen – Der Fanclub der Sehnsucht stand Kopf

Aktuelles
Foto: Thomas Pregl

Ob sich ein Künstler wohl fühlt, wenn seine Lieder und Texte gecovert werden – und dann zum Teil erfolgreicher sind als die eigenen Interpretationen? Der kultige Liedermacher, Schriftsteller und Maler Funny van Dannen braucht sich sicherlich darüber nicht zu grämen. Die Toten Hosen, Udo Lindenberg und andere berühmte Bands und Künstler haben immer wieder seine Songs aufgegriffen und bekannt gemacht. Und auch im Bamberger nana theater im Club Kaulberg war seine wundersame Welt aus herrlich blöden, witzigen, traurigen, nachdenklichen, ironischen und satirischen Chansons, eigenwilligen Gedichten und ulkigen Liebesliedern bei Arnd Rühlmann und Michael Bauer bei ihrer begeistert gefeierten Gala-Vorstellung „Fanclub der Sehnsucht“ an diesem letzten Samstag im April bestens aufgehoben.

Beide Musiker sind begeisterte von-Dannen-Fans und erwiesen ihrem Idol mit einer rasanten, komödiantischen, alle Sinne berührenden Show, bei der ihr Fanclub der Sehnsucht Kopf stand, ihre ihm gebührende Referenz. Vom Aussehen könnten Rühlmann und Bauer unterschiedlicher nicht sein, doch von ihrer Performance und ihren überragenden Stimmen passen sie zusammen wie die Faust aufs Auge. Sie haben sich gesucht und gefunden – und das war bei jeder Station ihrer schrägen Reise durch das noch schrägere Universum van Dannens spürbar. Sie bewarben sich als Papst, aßen tapfer ihre von allen verschmähte Fischsuppe, damit die „Fische nicht umsonst gestorben sind“, machten die „Schilddrüsenunterfunktion“ für alle Pleiten, Pech und Pannen in ihrem Leben verantwortlich, haderten mit einem imaginären George Clooney, der es mit ihrer Freundin auf dem Küchentisch trieb, erklärten die Depression zum Weltkulturerbe und trauerten der Zeit des ersten SPD-Kanzlers hinterher („Als Willy Brandt Bundeskanzler war, hatte Vati noch volles Haar!“).

Bei einem Nana Mouskouri-Konzert treffen sie ihren früheren Freund und aktuellen Immobilienhai Jochen, der angeblich keine Zeit für Gefühle hat, hemmungslos weinend an, trösten als katholischer Junge ein evangelisches Mädchen, bedanken sich bei Gott mit einem kleinen Gebet für seine nimmermüde Tätigkeit als Hauptsponsor für Sauerstoff und erleben ihre erste Liebe mit einem „unbekannten Pferd“. Alles „Herzscheiße“, natürlich!

Und natürlich durfte es an einem solchen Abend, den Rühlmann und Bauer neben klassischen Instrumenten wie Akustikgitarre, Keyboard oder Mundharmonika auch mit Putzeimern, raspelnden Peperonis, drei Flensburger Bierflaschen (das sind die mit dem Plop!), Glockenspiel, Luftpumpe und Blubberwasser meisterhaft anders inszenierten, nicht an politisch Unkorrektem fehlen. „Auch lesbische, schwarze Behinderte können ätzend sein“, war die eine Erkenntnis. Und in Hinblick auf die Fußball-WM, die dem nana theater eine Sommerpause beschert, verrieten sie: „Das Geheimnis am Fußball ist seine latente Homosexualität“.

Hinter allem stand die „heilende Kraft von blühendem Blödsinn“, der mitunter sehr hintersinnig und kritisch sein konnte. Nicht nur die Abschiedshymne „Wo ist der Fanclub der Sehnsucht geblieben?“ ließ an diesem Abend nur glückliche und schmunzelnde Menschen mit viel Wärme im Herzen zurück. Nach mehreren Zugaben durften sich die beiden Ausnahme-Künstler dem Motto eines kultigen van Dannen-Songs widmen – „Saufen“. Und so standen an der Theke einige aus dem „Fanclub der Sehnsucht“, bestaunten die gerettete Originalglocke der „Schwarzen Katz“ und tranken das, was die Nachtschwärmer-Kneipe immer anbot – „Kalte Ente“.

Thomas Pregl

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