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Er singt wie Udo, bewegt sich wie Udo, pflegt regelmäßige Kontakte und eine Freundschaft mit Udo. Chris Pietsch macht kein Geheimnis aus seiner Verehrung für den Chef des Panikorchesters, Udo Lindenberg. Seit vielen Jahren verbindet beide eine „Bruderschaft im Geiste“. Kein Wunder also, dass es bei Pietsch als Udomat und seinen Panikgenossen um das musikalische Werk des Meisters geht, das eindrucksvoll auf die Bühne gebracht wird. So auch am Samstag, 31. Oktober, um 20 Uhr im Kulturboden, wo die hessische Band nach der Premiere im Vorjahr zum zweiten Mal – im diesmal unbestuhlten Saal (siehe weiter unten) – gastiert. Im Vorfeld stand Bandgründer und Frontmann Chris Pietsch für ein Interview zur Verfügung.
Hallo Chris, wie bist du denn auf Udo Lindenberg gestoßen?
Chris Pietsch: Oh, das ist eine lange Geschichte. Ich habe Musik studiert und hatte die Leitung eines Orchesters wo ich jährlich ein Programm für das Jahreskonzert zusammengestellt habe, in das ich ein Lindenberg-Medley reingenommen habe. Das war Ende 2016. Dann kam mir die Idee und ich habe das Ding selbst gesungen. 2017 war ich mit dem Orchester zusammen im Aladdin-Musical in Hamburg unterwegs und bin einfach mal ins Hotel Atlantik gegangen, in der Hoffnung, Udo zu treffen. Dabei habe ich ihn tatsächlich kennengelernt und von meinem Projekt erzählt. Dann sollte ich vorsingen und er hat mich ermutigt, damit weiterzumachen. Wir entdeckten dabei einige Gemeinsamkeiten, nicht nur, dass wir am selben Tag geboren sind. So reifte bei mir der Entschluss, diesen Weg weiter zu beschreiten und nicht nur als einmalige Geschichte mit Orchester. 2018 folgte der erste Auftritt als Solo-Show und dann wuchs die Idee von Thomas Jung, einem sehr engen Freund, der mich bei den Solo Shows begleitete,eine feste Band dazuzuholen. Dazu fanden sich Jungs, die alle – wie ich – aus der Region Kassel kommen.
Wie oft hast du ihn schon getroffen?
Wir haben von Anfang an die Nummern ausgetauscht und sind bis heute gut befreundet und bleiben in Kontakt. Wir haben auch schon gemeinsame Sachen gemacht bzw. durfte ich für ihn was machen. Bei seinen Shows war ich natürlich auch mehrfach. Er unterstützt unser komplettes Ding, hat auch den Trailer für den Beginn unserer Shows aufgenommen. Ich durfte auch schon Auftrittstermine für ihn übernehmen, wenn er nicht konnte. Udo hat mir auch einige seiner Bilder geschenkt, die ich dann für einen guten Zweck versteigert habe, da ich mich für Kinderschutz-Projekte einsetze.
Was begeistert dich an Lindenbergs Musik?
Er war der Erste, der Rock mit deutschen Texten verknüpfte, was damals eine Herausforderung war, weil die Schlager dominierten. Und seine Musik ist absolut vielfältig, keine einfachen musikalischen Liedformen, ziemlich anspruchsvoll wie auch die Texte. Die hören sich immer an, als würde da einer eine Geschichte erzählen. Und das nicht nur im einfachen A-B-A-B-Reim-Schema.
Ihr seid ja schon im Kulturboden aufgetreten, wie war euer Eindruck?
Das war ein superschöner Abend, die Lindenberg-Fans waren begeistert. Wir waren zunächst etwas zurückhaltend wegen der Sitzplätze, aber später stand der ganze Saal. Wir haben uns total wohlgefühlt. Eine tolle Location, ein superliebes Team samt dem Techniker Peter.
Hat sich an Show und Setlist gegenüber dem Vorjahr etwas verändert?
Na klar. Wir sind nicht mehr politisch, werden keine politische Haltung einnehmen. Das habe ich auch Udo gesagt. Songs, wie „Wir ziehen in den Frieden“ oder „Wozu sind Kriege da?“ spielen wir nicht mehr, weil wir den Besuchern einen schönen Abend bescheren wollen. Es passiert aktuell so viel in der Welt, dass wir an so einem Abend nicht daran erinnern wollen, was da draußen vor den Türen so alles los ist. Wir haben einen geschichtlichen Song noch dabei „Mädchen aus Ostberlin“, der zwar auch politisch angelegt ist, aber nicht so als Friedensbotschaft. Udo hat sich ja auch etwas zurückgezogen und für uns als Tribute-Band sehe ich es nicht als Aufgabe, eine politische Veranstaltung zu machen. Ansonsten haben wir das Programm natürlich umgestrickt, ein paar Songs sind rausgeflogen, neue dazugekommen. Mit 31 Songs steht ein umfangreiches Programm.
Wie kam es überhaupt zum Bandnamen?
Das war ganz lustig. 2017 musste ein Name her. Ich stand eines Tages am Geldautomaten, um ein paar Scheine zu ziehen. Dabei entstand der Name Udomat, weil es irgendetwas mit Udo sein sollte. Bei der ersten Show war auch mein bester Freund Thomas Jung mit von der Partie, der vergangenes Jahr in Hallstadt noch mit auf der Bühne stand, uns aber zwischenzeitlich leider plötzlich verlassen hat. Bei der Heimfahrt von München damals kam die Idee der Band. Meine Idee war dann Panikgenossen oder Panikexperten und wir entschieden uns für die Genossen, weil das sowohl politisch ausgelegt werden kann als auch als Haltung, als Gemeinschaft oder Freundschaft.
Interview: Ralf Kestel