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Programm für mehr biologische Vielfalt – Mobilitätssenat für Fortsetzung der Biodiversitätsstrategie

Aktuelles
Der alte Eichenbestand im Hain bietet seltenen Großkäferarten Lebensraum: dem bayernweit nur hier vorkommenden Großen Eichenbock, dem Eremiten und dem Hirschkäfer, hier ein Weibchen (Foto: Martin Bücker)

Eine Bilanz der „Bamberger Strategie für Biologische Vielfalt“ hat der Mobilitätssenat in seiner jüngsten Sitzung gezogen – und zugleich eine Fortsetzung des Programms bis zum Jahr 2028 beschlossen. Dabei sollen auch verstärkt lokale Wechselwirkungen von Biodiversität und Klimawandel miteinbezogen werden.

Im ersten Programm für die Jahre 2014 bis 2020 hatte der Stadtrat 16 strategische Ziele vorgegeben. „Bei der Umsetzung seien teilweise beträchtliche Fortschritte erzielt worden“, stellte Umweltreferent Jonas Glüsenkamp in seinem Bericht fest, insbesondere hinsichtlich der Ausweitung der Naturschutzflächen, der Renaturierung von Flächen, sowie der Maßnahmen zum Artenschutz und der Artenvielfalt.

Insgesamt gibt es inzwischen im Bamberger Stadtgebiet 233 gesetzlich geschützte Biotope in einer Größe von 727 Hektar. Dies entspricht 13,3 Prozent der städtischen Gesamtfläche. Der Anteil der Flächen, die unter Naturschutz stehen, umfasst fast nunmehr ein Drittel des Stadtgebiets, nämlich 32,5 Prozent.

Artenvielfalt hat zugenommen
Einige Vogel- und Fledermausarten konnten im Stadtgebiet neu nachgewiesen werden. Neu ist auch der Nachweis der Haselmaus im Hauptsmoorwald, die aufgrund ihres Bestandsrückganges europaweit streng geschützt ist. Der Biber hat sich in Bamberg, wie überall in Bayern, ausgebreitet und verfügbare Reviere weitgehend besetzt. Die Anzahl der Zauneidechsen hat sich erhöht, insbesondere im Umfeld der Bahntrasse. In Bamberg-Nord hat sich erstmalig im Stadtgebiet eine Brutkolonie der Saatkrähe angesiedelt. „Es gibt durchaus erfreuliche Entwicklungen hinsichtlich der Artenvielfalt“, urteilte Dr. Jürgen Gerdes, Sachgebietsleiter für Naturschutz und Artenvielfalt im Klima- und Umweltamt, in seinem Bericht an den Stadtrat.

Als Reaktion auf den Volksentscheid „Rettet die Bienen“ 2019 hat sich der Freistaat Bayern verpflichtet, 10 Prozent des bayerischen Staatswaldes nicht mehr zu bewirtschaften. Zu diesem Naturwald gehören auch Waldflächen im Stadtgebiet: 78 Hektar im Bruderwald und 1,2 Hektar im Hauptsmoorwald. Dadurch soll u.a. dem Hirschkäfer, dem Eremit und dem Großen Eichenbock die Ausbreitung vom Bamberger Hain her ermöglicht werden. Um den Bruderwald wurde der Hirschkäfer in den vergangenen Jahren wieder verstärkt beobachtet.

Durch die Übernahme von Wald im Konversionsgebiet ist die städtische Waldfläche auf 365 Hektar angewachsen. Dort schreite der Umbau vom Nadelwald in einen Laubmischwald weiter voran. Auch würden gezielt Artenschutzmaßnahmen durchgeführt, z.B. durch die Anlage von Feuchtbiotopen. Insgesamt zeichnet den Stadtwald eine hohe Artenvielfalt aus.

Im städtischen Teil des stark versiegelten Konversionsgebiet der Lagarde-Kaserne wurde eine Fläche von 13 Hektar entsiegelt und damit dort erstmals die Grundlage für eine gute Durchgrünung geschaffen. Bei der Bewirtschaftung der städtischen Grünflächen wird auf den Einsatz von Pestiziden und chemischem Dünger verzichtet. Immer mehr Rasenflächen würden in blütenreiche Wiesen umgewandelt, die nur noch ein bis zwei Mal im Jahr geschnitten werden, wie im ERBA-Park, am Eichendorff-Gymnasium, an der Blauen Schule und im Hauptfriedhof. Der Anteil bienenfreundlicher Pflanzen wurde fortwährend erhöht und beträgt mittlerweile über 60 Prozent der im Mai nach den Eisheiligen gepflanzten Gewächse.

Die „Bamberger Strategie für Biologische Vielfalt“
Im Juli 2014 verabschiedete der Stadtrat die „Bamberger Strategie für Biologische Vielfalt“. Sie basiert auf den Richtlinien des Bündnisses „Kommunen für Biologische Vielfalt“, dem Bamberg seit 2010 angehört. Das Bündnis umfasst derzeit 280 Kommunen. Die Mitglieder bekennen sich dazu, dem Erhalt und der Förderung der Artenvielfalt beim kommunalen Handeln einen besonderen Stellenwert einzuräumen. Für die nächsten Jahre werden unter anderem folgende Maßnahmen vorgeschlagen:

Die Ausweitung des ökologischen Grünflächenmanagements auf allen öffentlichen Flächen. Diese sollen, sofern es die Nutzung und die Verkehrssicherheit zulassen, als Wiese gestaltet und mit einheimischen, klimafesten Gehölzgruppen bepflanzt werden.
Die Flächen rund um Bäume (sog. „Baumscheiben“) sollen hinreichend groß, offen und naturnah gestaltet und, wenn möglich, zu Grünstreifen verbunden werden. Es sollen verstärkt Flächen erworben werden, die ökologisch aufwertbar sind (z.B. Uferrandstreifen von Gewässern, Intensiväcker). In Altbaugebieten, die überplant werden, soll auf den Altbaumbestand besondere Rücksicht genommen werden.
Bei der laufenden Umstellung der Straßenbeleuchtung soll neben der Energieeinsparung auf größtmögliche Insektenfreundlichkeit geachtet werden. Ökologische Belange sollen bei der Bauleitplanung aufgewertet werden, sowohl was den Flächenanteil von Grün betrifft als auch dessen Qualität. Dach- und Fassadenbegrünung sollen – wo immer möglich – festgesetzt werden, gegebenenfalls als Kombi-Lösung mit Photovoltaik. Es sollen Nisthilfen für Vögel geschaffen werden, die Gebäude als Brutplatz wählen. Die städtischen Mittel für Naturschutzmaßnahmen sollen mindestens auf den Stand von 2009 erhöht werden (2021: 10.000 Euro; 2010 bis 2020: je 15.000 Euro; 2009: 30.000 €; 1990: 100.000 DM = 47.838 Euro).

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