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Péle und die Kuckucksuhr: Ein ungewöhnlicher Nachruf von Thomas Pregl

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Der beste Fußballer der Welt ist tot. Pelé, den ich als Spieler erstmals bei der WM 1970 vor dem Fernseher wahrgenommen habe, habe ich persönlich nie getroffen. Dennoch war er in meinem Haus immer allgegenwärtig, fast jeden Tag habe ich ihn gesehen. Und das hängt mit einer Kuckucksuhr zusammen – und einer ungewöhnlichen Marketingidee des Augsburger Automatenunternehmers Peter Eiba.

Derzeit werden viele Geschichten über Péle erzählt. Dreifacher Weltmeister, achtmal im Sportstudio, seine Karriere als Sänger, seine Treue zum FC Santos, die Werbung für Potenzmittel, seine gemeinsame Zeit mit Kaiser Franz Beckenbauer bei Cosmos New York, sein Abschiedsspiel vor 140 000 Zuschauern.

Eine Geschichte fehlt. Denn weniger bekannt ist, wie Péle, damals schon mit 47 Jahre im besten Mannesalter, zu einer deutschen Kuckucksuhr kam, um ihm einen Wechsel zum achtklassigen BC Harlekin schmackhaft zu machen. Hinter der C-Klasse-Mannschaft stand Peter Eiba, für den ich als Ghostwriter das Mittelstandsbuch „www.Harlekin.de & Vietcong“ schrieb.

Um sein Unternehmen zu vermarkten, hatte Eiba eine illustre Kickertruppe aufgestellt, zu der unter anderem der fünffache B-Nationalspieler Gerd „Zimbo“ Zimmermann, Armin Veh (der spätere Meistertrainer des VfB Stuttgart), der brasilianische WM-Spieler Marinho (der allerdings mehr auf dem weißen Laken bei den Damen als auf dem grünen Rasen überzeugte) sowie WM 1966-Mittelfeldheld Helmut Haller gehörten.

Dieser stellte für den Augsburger Sportmäzen den Kontakt zu seinem Freund Péle her. Denn der Weltstar sollte für Hallenturniere des BC Harlekin verpflichtet werden – und diese so aufwerten. Der Harlekin-Spieler Armin Veh flog daher im Auftrag von Eiba über den großen Teich und traf das Fußballidol in dessen New Yorker Büro. Im Gepäck eine deutsche Kuckucksuhr. Das Geschenk nahm Péle gerne an – für einen Auftritt für den C-Klasse-Verein reichte es nicht. Eiba damals: „Die Kuckucksuhr tickt heute noch bei dem brasilianischen Superstar und Weltfußballer des Jahrhunderts.“

Obwohl ich Péle nie persönlich kennenlernte, zog er in mein Haus ein – mittels Autogrammkarte, die mir Haller und sein Freund Eiba nach Fertigstellung des Buches übermittelten und die seitdem mein Wohnzimmer schmückt: „Für Tomas Pregel mit mit freundl. Grüßen“. Adeus, Péle! Du wirst mir fehlen…

Thomas Pregl

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