FN-Interview mit dem Schauspieler und Drehbuchautor Adam Bousdoukos

Geschrieben am 29. Nov, 2009 von in Bamberg Live, Kulturtipps

soul-kitchen_stills_still08_hr„‚Soul Kitchen’ ist ein Best-of Album“
Es gibt Zeiten, da spielt das Leben einem echt üble Streiche. Da kommt ein Unglück selten allein. Zinos (Adam Bousdoukos), der Hauptdarsteller aus dem Film „Soul Kitchen“ hat gerade eine solche Pechsträhne: Seine Freundin zieht für einen neuen Job nach Shanghai, ihn quält außerdem ein Bandscheibenvorfall und zu allem Übel bleiben auch noch die Stammgäste in seinem Restaurant aus. Als wäre das alles nicht bitter genug, verlangt Zinos leicht krimineller Bruder Illias seine Hilfe. Doch dann… kommt erstens alles anders und zweitens als man denkt. Zur Vorpremiere im Odeon-Kino am Freitag, 11. Dezember, beehren der Regisseur Fatih Akin und sein Kumpel Adam Bousdoukos unsere schöne Stadt. Zuvor stand der Hauptdarsteller und Co-Autor des Drehbuchs der FN Rede und Antwort.

Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?
Im Alter von vier Jahren war ich das erste Mal mit meinem großen Bruder im Kino. Zuerst habe ich geheult, dass ich mitgehen darf und als ich dann fünf Minuten dort war, habe ich wieder geheult und mein Bruder musste mich nach Hause bringen. Mein erster Kontakt mit dem Kino war so prägend für mich, dass ich mich bis heute daran erinnere. Danach hatte ich den Traum, Schauspieler zu werden. Allerdings wusste ich nie, was das überhaupt bedeutet. Mit 15 habe ich bei MTV für eine Schallplatte geworben. Später habe ich eine Schauspielerin kennen gelernt, die ein Theater in der Washington Allee in Hamburg besaß. Zu dieser Zeit habe ich zwei Jahre Schauspielunterricht genommen und Theater gespielt. Nach ‚Kurz und schmerzlos’ wurde es dann richtig ernst…

Sie waren auch schon als Gastronom tätig…
Ich hatte neben der Schauspielerei immer den Traum, eine eigene Bar zu haben. Während des Drehs zu ‚Kurz und schmerzlos’ kellnerte ich in einer griechischen Taverne. Nach einem Jahr hat mich der Chef rausgeworfen, weil ich aufgrund von Dreharbeiten dauernd weg war. Als er den Laden verkaufen wollte, hatte ich genug Geld und habe alles dran gesetzt, ihn zu bekommen. Ohne genau zu wissen, was da auf mich zukommt, habe ich also ein Restaurant eröffnet und nebenbei noch Filme gedreht. Irgendwann war’s dann zu viel und ich habe die Taverne nach zehn Jahren wieder verkauft.

Wie haben Sie Fatih Akin kennen gelernt?

Ich bin mit Fatih seit der siebten Klasse befreundet. Wir haben gleich festgestellt, dass wir auf dieselben Filme stehen. In Schul-AGs drehten wir mit einer geliehenen Kamera unseren ersten Film. Irgendwann kam Fatih mit einer Idee an, die letztlich die Grundlage für ‚Kurz und schmerzlos’ war: ‚Würden wir einen Freund, der von der Mafia erschossen wird, rächen?’ In zwei, drei Wochen hat er ein richtig dickes Drehbuch darüber geschrieben. Die Produktionsfirma war begeistert und hat innerhalb von fünf Jahren einen Film daraus gemacht.

Sie haben in fast jedem von Fatih Akins Filmen mitgespielt – welcher ist Ihr persönlicher Lieblingsfilm?

Obwohl einige Leute sagen, ‚Kurz und schmerzlos’ sei ein Gangsterfilm, ist es für mich ein reiner Freundschaftsfilm. Ich mag Fatihs Filmen alle sehr gerne – ‚Gegen die Wand’, ‚Auf der anderen Seite’ und ‚Crossing the Bridge’ finde ich großartig. ‚Soul Kitchen’ ist eine Art Best-of-Album geworden. Alle Leute, mit denen Fatih schon gearbeitet hatte, tauchen darin auf.

Wer hatte die Idee zum Drehbuch für ‚Soul Kitchen’?
Die Idee, mal eine Komödie zu drehen, hatte als Erster Fatihs Partner Andreas Thiel, der leider während der Dreharbeiten zu ‚Auf der anderen Seite’ gestorben ist. Aus den Geschichten, die ich Fatih in meinem Restaurant erzählt habe, ist die erste Fassung entstanden. Über fünf Jahre hinweg hat sich das Projekt entwickelt, bis es das Buch war, aus dem nun auch der Film entstanden ist.

Wie sind Sie beim Schreiben vorgegangen?
Die Geschichte hatte immer etwas mit mir zu tun und den Umständen, in denen ich mich damals befand. Natürlich bekam das Ganze irgendwann eine eigene Dynamik. Am Ende wurden aus einer Fassung 12 oder 13 Drehbücher, aus denen wir dann wiederum das Beste herausgepickt haben.

Wieso war Ihnen wichtig, dass ‚Soul Kitchen’ in Hamburg spielt?

Fatih und ich sind beide in Hamburg geboren. Da Fatih seine letzten Filme in Bremen, Istanbul und Italien gedreht hat, wollte er nach den Dreharbeiten endlich mal nach Hause kommen und nicht in Hotels wohnen müssen. Außerdem bietet Hamburg eine tolle Kulisse: Der Hafen hat was von Freiheit und Weltoffenheit.

Die Hauptperson Zinos ist Ihnen sehr ähnlich…

Ja, da gibt’s eine ganze Menge Ähnlichkeiten. Ich kann verstehen, dass die Figur immer mit Problemen konfrontiert ist. Als Chef eines Restaurants musste ich auch immer eine Lösung finden. Ich war derjenige, der alles kontrollieren musste – vom Personal bis zur Miete. In diesem System muss man immer funktionieren. Ich kann verstehen, wenn Menschen heutzutage Schwierigkeiten haben, ihre Jobs zu behalten, ihre Familien zu ernähren und ihre Beziehungen zu führen. Sie stehen dauernd unter einem gewissen Druck, den wir versucht haben, im Film einzufangen.

Können Sie einen gewöhnlichen Drehtag kurz beschreiben?

Jeder Drehtag ist ungewöhnlich. Die schwierigsten Drehtage waren meist die, von denen ich im Vorfeld dachte, die mache ich ganz locker. Körperlich war’s schon ziemlich anstrengend. In einer Szene sitze ich beispielsweise mit meiner Freundin in einem Imbiss. Ich hatte keinen großartigen Dialog, musste aber ungefähr 15 Hähnchenschenkel essen. Irgendwann konnte ich nicht mehr, musste aber so tun, als ob ich noch hungrig wäre. Zum Schluss bat mich der Tonmann, noch ein Hühnchen für den Ton zu essen, und das ging beim besten Willen nicht. Fatih hat dann für mich – obwohl er Vegetarier ist – ein Hähnchen gegessen und geschmatzt, damit der Sound auch stimmt. Fatih ist nicht nur ein guter Chef, sondern auch ein guter Freund.

Was war der schwierigste Part bei den Dreharbeiten?

Ich hatte 43 von 44 Drehtagen. Der schwierigste von allen war in einer Küche ohne Dunstabzugshaube, als die Würstchen und die Fischstäbchen anbrannten, alles dampfte und ich dachte, ich muss ersticken. Aber auch die ruhigen Momente waren eine Herausforderung. Denn auch wenn ‚Soul Kitchen’ eine Komödie ist, darf man nicht albern rüberkommen.

Was erwartet die Zuschauer bei der Vorpremiere in Bamberg?

Die Besucher erwartet auf jeden Fall sehr viel Musik. Also eine kleine Party im Kino und auf keinen Fall Langeweile. Ich freue mich schon sehr auf Bamberg!

Stefanie Schuhmann


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