Die Eschenbacher Volleys starten durch

Geschrieben am 27. Nov, 2009 von Fränkische Nacht in Bamberg Live, Magazin

VCF_4834Erst wenige Wochen ist der Erstligavolleyball in Bamberg alt, und doch lässt sich der Anfang einer hoffentlich langen Erfolgsgeschichte verspüren. Gut 1.000 Zuschauer kommen zu den Heimspielen in die Jako Arena, ein frenetisches Publikum, das strittige Schiedsrichterentscheidungen diskutiert und mit seiner Mannschaft fiebert. Dazu eine eigene hochklassige Cheerleader-Truppe, die Raptors aus Litzendorf, und die Anfänge eines Hardcore-Fanblocks mit Trommeln, Tröten und Schlachtrufen. Wir haben den neuen Bamberger Spitzensport unter die Lupe genommen und uns mit Jochen Hauke, dem zweiten Vorsitzenden des VC Franken, und dem Cheftrainer Mark Lebedew getroffen, der zuvor nicht nur den Vorgängerverein der Volleys, die SG Eschenbacher Eltmann, gecoached hat, sondern auch in Belgien und Italien tätig war.

Volleys aus der Asche
„Es erstaunt mich jeden Tag“, gesteht der Trainer, „wie schnell sich bei uns die Dinge entwickeln. Schließlich mussten wir in einer enorm kurzen Zeit aus dem Nichts eine komplette Bundesligamannschaft mit der nötigen Infrastruktur schaffen.“ Aus dem Nichts deswegen, weil die SG Eschenbacher Eltmann in der letzten Saison Insolvenz anmelden musste und man sich kurzfristig entschied, wegen der besseren Rahmenbedingungen nach Bamberg umzuziehen. Schließlich hatte man dort bereits bei den Euroleague-Spielen der SG, die in der Jako-Arena ausgetragen wurden, den höchsten Zuschauerschnitt in dieser europäischen Klasse. Und die Rechnung scheint aufzugehen, insgesamt 3.500 Zuschauer kamen zu den ersten vier Heimspielen der neuen Saison. Und das, obwohl der letzte Spieler erst Anfang Oktober zum dem Team stoßen konnte, das erst noch eines werden muss. „Schließlich wechseln normalerweise nach einer Saison vielleicht drei oder vier Spieler, wir aber haben nur wenige aus Eltmann halten können und zehn neue verpflichtet“, so Coach Lebedew, „zudem können wir ihnen momentan auch nicht die besten Rahmenbedingungen bieten. Das geht nur mit einer jungen Mannschaft, die da mitspielt.“

Die Spieler-WG
Der Australier weiß, wovon er spricht. Die gesamte Mannschaft wohnt mangels anderer Möglichkeiten zurzeit in einer Art Riesen-WG. Die Volleys haben sich im Don Bosco Haus eingemietet, jeder bewohnt ein Mini-Appartement mit Lokus und Kochnische. „Wir haben Glück gehabt, eine so junge und günstige, aber trotzdem gute und engagierte Truppe zusammenstellen zu können“, bestätigt Jochen Hauke, der zweite Vorsitzende des Vereines. Das Ziel für 2009/2010 ist klar: Der Klassenerhalt. „Dann können wir weitersehen. Deswegen gehen unsere Planungen momentan immer nur von Spiel zu Spiel“, antwortet Hauke auf die Frage nach einer langfristigen Volleyball-Konzeption in der Domstadt. Schließlich gibt es ja noch die Brose Baskets und auch Regionalliga-Fußball, beides in Bamberg seit langem etablierte Mannschaften, die hier natürlich auch und schon viel länger auf Zuschauer- und Sponsorenfang gehen. „Ich glaube, es gibt Platz für alle drei“, schätzt der Trainer die Situation ein, „ich bin Fan von allen Sportarten, gehe zum Beispiel auch gerne zu den Spielen der Brose Baskets.“ Und dabei hat 42-jährige auch eine Vision: „Ich möchte, dass wir mit unseren Fans ebenso ein Bollwerk werden, wie es Freak-City für den Basketball oder Rottenburg beim Volleyball sind. Mit so einer Fankulisse steigert sich die Leistung der Mannschaft um die entscheidenden Prozente, mit denen man dann knappe Spiele gewinnt.“ Klar, dass der Olympiateilnehmer von Sydney sich über die schnelle positive Zuschauerentwicklung für seine Jungs freut: „Ich kenne das aus Australien nicht, da musste ich sogar meine Mutter zwingen, zu den Spielen zu kommen.“

Auf in die Halle
„Volleyball muss man live sehen, da ist jedes Bundesligaspiel spannender als ein Länderspiel bei Olympia“, betont Trainer Lebedew, „nur dann sind hautnah echte Fans auf jeder Seite, und davon lebt die Stimmung, für die Spieler und die Zuschauer.“ Ein Ratschlag, den wir nach dem Besuch einiger Partien nur weitergeben können. „Unser Ziel ist ein Zuschauerschnitt von 1.500 – 2.000, dann sind wir auch mit unserem recht kleinen Etat in der Liga konkurrenzfähig“, Jochen Hauke sieht natürlich auch die wirtschaftliche Seite, die Dank der Treue von Haupt- und Namenssponsor Eschenbacher vorerst gesichert ist. Dazu kamen mittlerweile auch Bamberger Partner wie Ertl-Zentrum, Mediteam, Welcome Hotels oder das Autohaus Eismann. Wenn nun auch sportlich die Erwartungen erfüllt werden können, ist der dritte Stern am Bamberger Sporthimmel auch auf längere Sicht fest am Firmament.

Nichts für kleine Leute
Moderner Volleyball, das bedeutet höchste Anforderungen für die Spieler. Schließlich muss man nicht nur sehr groß sein, um über die 2,43 m hohe Netzkante spielen zu können, sondern auch schnelle Reflexe, eine hohe Sprungkraft, gute Koordination und kraftvolle Athletik mitbringen. In kaum einer anderen Sportart wird so dreidimensional gespielt. Erfunden wurde Volleyball 1895 als sanfte Alternative zu dem vier Jahre älteren Basketball, bei der jeder einen gleichen Anteil am Spiel haben sollte. Deswegen auch das Rotationsprinzip. Freilich hat der heutige Spitzensport mit dem beschaulichen Spiel aus dem 19. Jahrhundert, bei dem die Zahl der Mitspieler noch unbegrenzt war, wenig zu tun. Für die Topspieler wie die Eschenbacher Volleys steht daher regelmäßiges Training auf dem Programm. Die Jako-Arena, für Trainer Lebedew eine „geile Halle“, steht nicht immer für Übungseinheiten zur Verfügung, weswegen man nach Eltmann, Zeil und Strullendorf ausweicht. Für das Krafttraining konnte eine Kooperation mit dem Bodybuilding Studio Pose Down geschlossen werden.

Das Team im Focus
Zur Erstligamannschaft des VC Franken gehören 14 junge Männer, darunter mit René Bahlburg, Christian Nowak und Timo Wilhelm drei Spieler aus dem ehemaligen Eltmanner Team. Weitere deutsche Spieler sind Lucian Jachowicz, Sebastian Richter, Florian Tafelmayer und Tom Weber. Mit Brock Davidiuk, Kris Brand und Adam Simac gibt es ein kanadisches Trio, hinzu kommen der US-Amerikaner Fletch Anderson, der Brasilianer Leandro Melo de Andrade Lima, der Puertoricaner Juan Figueroa und der Australier Tom Bawden. Bawden und Brand bringen es jeweils auf stattliche 2,04 m Körpergröße, Davidiuk kann dafür 65 Länderspiele vorweisen.

Es ist angerichtet
Sie sollten es also einfach mal versuchen, mit der schnellen Ballsportart, bei der der Ball nie gehalten wird. Die Informationen zur Mannschaft und zum Spielplan erfahren Sie am besten direkt auf der Website des Vereines, www.vc-franken.de. Die nächsten beiden Heimspiele sind am 28.12. und an Dreikönig um 19.30 Uhr, jeweils in der Jako-Arena Bamberg. Beim Spiel erfahren Sie dann auch, was es mit dem Hammer auf sich hat…

Markus Raupach


Weitere interessante Beiträge:

Sag uns Deine Meinung